Die eigene Königinzucht gilt in der Imkerei oft als die „Königsklasse“. Viele Hobby-Imker schrecken davor zurück, weil das klassische Umlarven extrem viel Fingerspitzengefühl, eine ruhige Hand und Adleraugen erfordert. Wer hat nicht Respekt davor, mit einer hauchdünnen Nadel eine millimetergroße, hochempfindliche Larve aus der Wabenzelle zu kratzen?
Wir haben uns für die kommende Saison ein spannendes neues Projekt vorgenommen: Wir starten in die eigene Königinzucht! Um den Einstieg so materialschonend und erfolgreich wie möglich zu gestalten, haben wir uns gegen die traditionelle Umlarvnadel und für ein cleveres Hilfsmittel entschieden: das Cupularve-System (besser bekannt als Nicot-System). Warum wir uns dafür entschieden haben und wie unser Setup aussieht, erfahrt ihr in diesem Beitrag.
Das Problem mit der Nadel – und die smarte Lösung
Das größte Risiko beim traditionellen Umlarven ist die Beschädigung der Larve. Dreht man sie versehentlich um, kann sie im Futtersaft ertrinken; berührt man sie zu fest, wird sie verletzt.
Das Nicot-System hebelt dieses Risiko komplett aus. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Wir fassen die Larve zu keinem Zeitpunkt an. Wie funktioniert das? Das Herzstück des Systems ist eine flache Kunststoff-Zuchtkassette, die optisch an eine Honigwabe erinnert. Von der Rückseite werden kleine, braune Kunststoffnäpfchen hineingesteckt, die den Boden der Zellen bilden.
Im Frühjahr sperren wir die Zuchtmutter (unsere beste, sanftmütigste Königin) für ca. 24 Stunden in diese Kassette. Da sie dort nur die vorgegebenen Plastiknäpfchen vorfindet, bestiftet sie diese in Rekordzeit. Nach drei Tagen schlüpfen die Larven. Am vierten Tag kommt der große Auftritt des Systems: Wir entnehmen die braunen Näpfchen einfach von der Rückseite der Kassette – die winzige Larve liegt dabei völlig unberührt und sicher in ihrem Futtersaft.
Unser Setup für die neue Saison
Wir haben uns für den Start ein bewährtes Komplettpaket zugelegt, das uns Schritt für Schritt durch den Zuchtprozess begleiten wird. Das Set ist modular aufgebaut und besteht aus fünf perfekt ineinandergreifenden Komponenten:
- Die Zuchtkassette: Das Gehäuse, in dem die Königin die Eier legt.
- 100 braune Weiselnäpfchen: Der eigentliche Geburtsort der Larven und unser Vorrat für die Zukunft.
- 10 gelbe Zellbecherhalter: Diese werden fest auf die Zuchtlatte unseres Holzrahmens geschraubt.
- 10 beige Halter (Socken): Sie dienen als Verbindungsstück und nehmen das braune Näpfchen mit der Larve auf. Per Klick-System werden sie auf die gelben Halter gesteckt.
- 10 Schutzkäfige („Lockenwickler“): Gitterartige Zylinder, die am 11. Tag über die fertigen Weiselzellen gestülpt werden. Sie schützen die schlüpfende Königin vor ihren Schwestern und dem Pflegevolk.
Der große Vorteil: Durch diesen modularen Aufbau können wir perfekt bis zu 10 Königinnen gleichzeitig in einem Durchgang aufziehen und absolut sicher verschulen.
Warum wir das Projekt jetzt schon planen
Ein erfolgreicher Zuchtstart im Mai oder Juni beginnt nicht erst am Bienenstand, sondern im Kopf und in der Werkstatt. Bevor die Kassette zum Einsatz kommt, muss sie im Frühjahr erst einmal für 24 bis 48 Stunden in ein starkes Volk gehängt werden. Die Bienen überziehen das Plastik dann mit einem feinen Wachsfilm und verpassen dem System den nötigen Stockgeruch – das erhöht die Akzeptanz der Königin später enorm.
Zudem nutzen wir die Zeit, um in der Werkstatt unsere Zuchtrahmen vorzubereiten und die Halterungen präzise zu montieren.
Vorbestellungen & Interesse für die neue Saison
Da wir immer wieder gefragt werden: Ja, wir planen für das nächste Jahr auch einen kleinen Teil unserer frisch standbegatteten Königinnen abzugeben! Wenn ihr Interesse habt, eure Imkerei mit vitalen, sanftmütigen Königinnen aus unserer regionalen Zucht zu bereichern, könnt ihr uns schon jetzt ganz unverbindlich kontaktieren. Schreibt uns einfach eine Nachricht über unser Kontaktformular – so sichert ihr euch frühzeitig einen Platz auf unserer Reservierungsliste!
Wie es weitergeht…
Die Entscheidung steht, das Material liegt bereit. In den kommenden Monaten werden wir euch hier auf dem Blog live mitnehmen: Vom Bau des Zuchtrahmens über den spannenden Tag des Einsetzens der Königin bis hin zum Schlupf der ersten eigenen Regentin.
Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit dem Nicot- oder Jenter-System gesammelt oder steht ihr vielleicht vor derselben Entscheidung für das nächste Jahr? Schreibt es uns unbedingt in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit euch!


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